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Wahnsinn in der Walhalla / 31.5.23


Sehr geehrter Herr Kuckuck, ich entschudige mich in aller Form für mein unhöfliches Verhalten. Wir sitzen jetzt in Regensburg unter Tauben. Die gurren nicht nur nervig, sondern kacken auch alles voll. Wäre es Ihnen möglich, werter Herr Kuckuck, kurz vorbeizukommen und den Tauben den Marsch zu blasen? Ich mach gerne ein paar Kunststückchen für Sie. Und Sie dürfen auch gerne länger bleiben!



Um den Tauben zu entfliehen, schwingen wir uns aufs Velo und fahren zur Walhalla. Walhall ist in der nordischen Mythologie die Ruhestätte der Gefallenen. Die merkwürdig anmutende Gedenkstätte passt irgendwie so gar nicht in die bayrische Landschaft. Wie ein griechischer Tempel thront das riesige Teil über Donaustauf etwas ausserhalb Regensburg. Erstellt wurde die Walhalla vom Architekten Leo von Klenze im Auftrag von König Ludwig I. von Bayern.


Es würde zu weit führen, euch die geschichtlichen Hintergründe zu erklären, also ganz kurz: 1806 Auflösung des heiligen römischen Reichs, Deutschland unter Einfluss von Napoleon = grosse Schmach. Kronprinz Ludwig liess eine Serie von Büsten „rühmlich ausgezeichneter Teutscher“ erschaffen. „Kein Stand nicht, auch das weibliche Geschlecht nicht, ist ausgeschlossen. Gleichheit besteht in der Walhalla; hebt doch der Tod jeden irdischen Unterschied auf.“



Wo bitte sind die Frauen ???


So, so... Ich hab mir die Mühe gemacht und nachgezählt. 118 Männer, 6 (!) Frauen. Und ein paar weibliche Engel, welche die Dachlast tragen dürfen. Unter den sechs Frauen sind eine Nonne, Mutter Teresa und zwei Frauen, die sich aktiv im Widerstand gegen das 3. Reich engagierten. Nun ja, die Walhalla wurde um 1830 erstellt. Aber ehrlich, man hätte ja durchaus in der Zwischenzeit ein paar männliche Gipsköpfe durch weibliche ersetzen können!

Weibliche Engel dürfen die Dachlast tragen...



Nachdem ich mich etwas geärgert habe, widme ich mich der fantastisch schönen Aussicht und dem hübschen Café im Wald nebenan.



Auch die Velotour der Donau entlang ist wunderschön. Mohnblumen im Korn, Margrithen und dahinter das Blau des Wassers.




Wir könnten jetzt locker weiter bis Wien oder zurück nach Donaueschingen radeln. Liebe Grüsse an Esti und Peter, die zur Zeit grad 90 Tageskilometer auf dem Donauradweg nach Passau abstrampeln! Wien ist uns dann aber doch zu weit.


Denn sehr unweit unseres Campingplatzes lockt ein urchiges Schrebergartenbeizli mit Kraut, Würstchen und Bier. Man kann ja nicht jeden Tag sternemässig futtern.




Nein, liebe Frauen, ihr wollt nicht wissen, was der Mann da isst...


Apropos Schrebergärten: das sind richtige kleine Datschas auf relativ grossen Grundstücken. Und in mind. 50% der Gärten wächst kein Gemüse mehr, sondern nur noch Pflegeleichtes. Man will sich im Garten ja erholen. Recht so!



Auf dem Heimweg gibts dann auch noch den ersten Sprung in die Donau! Mein Thermometer-Fisch blieb leider im Wohnwagen aber der Mann hat ja so eine schlaue Uhr, mit der man tauchen, unter Wasser Kaffee kochen und einen Zeltplatz in Ouagadougou buchen könnte. Sie sollte auch die Wassertemperatur ansagen. Beat redet geduldig auf Siri ein. Doch Madame meint nur lapidarisch: "Diese Funktion wird von deinen Steckdosen nicht unterstützt." Wusste gar nicht, dass ich mein Handy auch an Beat laden könnte...





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