Pleiten, Pech und Pannen


Es wird Zeit, noch ein wenig aus dem Wohnwagen zu plaudern. Das Camperleben hat ja nicht nur Sonnenseiten. Auch mit Pannen ist mal zu rechnen. So mussten wir auf dem Weg zu unserem Glamping-Platz eine dieser holländischen Zugbrücken überqueren. Sie war sehr schmal und hatte ziemlich steile Rampen. Kurz nach der Überquerung hörte ich ein merkwürdiges Geräusch. Das „merkwürdige Geräusch“ stellte sich als unser Reserve-Wohnwagen-Rad heraus, das wir gerade etwas unschön hinter uns herschleipften. Das Rad hängt unten am Wohnwagen in einem Gehäuse und dieses war futsch.

Mit einem Seil reparierte der campingtüchtige Ehemann das Teil notdürftig, damit wir wenigstens auf den - gottseidank - nur 500 Meter entfernten Campingplatz fahren konnten. Es folgten ein Besuch in einem holländischen Bau- und Hobbymarkt, wo wir eine Stahlstange kaufen wollten. Leider gab es nur sehr lange Stangen und der Bau- und Hobbymarkt sah sich ausserstande, diese für uns zu kürzen. Wir kauften also auch noch eine Eisensäge und gaaaanz viel Klebeband. Wir hätten auch noch eine coole Garten-Lounge aus alten Paletten und Samichlaussack-Kissen erwerben können. Recht stylish aber für unseren Wohnwagengarten doch ein bisschen „too much“. Man soll es mit dem Glamping ja nicht übertreiben …

Bestens gerüstet, machte sich Chef-Mechaniker Bieler also erneut ans Werk. Nach ca. 2 Minuten bestand die Eisensäge aus zwei Teilen. Von wegen Stahlsäge! Also Manneskraft. Das Rohr wird mit roher Gewalt gebogen und dann, zwecks Verstärkung der kaputten Halterung, mit viel Klebeband montiert. Und siehe da: das Ding hält bis heute!

So ein bisschen Heimwerken gehört beim Campen einfach dazu. Es sind ganz andere Dinge, die einem das Leben ernsthaft schwer machen. Z.B. liegt man am Morgen noch gemütlich unter der warmen Federdecke, das Thermometer IM Wagen zeigt 13 Grad und draussen regnet es seit Stunden (in der Eifel, nicht in Holland!). Kein Problem denkt man. Jetzt die Heizung aufdrehen, gemütlich Kaffee kochen und Zeitung lesen. Doch dann ist das Gas nicht aufgedreht. Ohne Gas weder Heizung noch Kaffee. Das Gas muss man von aussen aufdrehen, was man normalerweise sofort nach dem Einrichten auf einem Campingplatz macht. Leider es ist nicht so praktisch zugänglich. Es dauert also ein bisschen. Gerade so lang, dass man pflotschnass wird. Gas aufdrehen ist Männer-Sache. Schwein gehabt! Ich zumindest …

Ebenfalls recht unangenehm sind Stink-Käse. Gerade hat Beat wieder so ein Teil in unseren Mini-Kühlschrank geschmuggelt. Jedes Mal, wenn ich dessen Türe öffne, füllt sich der ganze Wohnwagen mit der Duftnote „reifer Camembert“. Geht gar nicht! Der Käse muss jetzt jeden Abend aufs Wohnwagendach, denn Vögel mögen offenbar auch keinen stinkenden Camenbert. Hingegen mögen sie Brötchen. Kürzlich haben wir aus knusprig-frischen Brötchen Sandwiches gemacht und sind dann schnell duschen gegangen. Als wir zurückkamen, waren nur noch die unteren Brötchenhälften auf dem Tisch…

Apropoz Duschen. Das ist auch so ein Reiz-Thema. Ich weiss echt nicht, warum alle, wirklich alle Campingplätze so saublöde Duschkabinen haben! Immer ist und wird alles nass. Jedem dieser Architekten sollte man zur Strafe daheim eine Campingdusche einbauen!

Auf manchen Plätzen erhält man - natürlich gegen Bezahlung! - eine Münze, dank der man für ein paar Minuten warmes Wasser erhält. Der Hammer war der Scheveninger Platz: Zuerst musste man an einem Automaten vor dem Gebäude eine 50 Cent-Münze in eine Duschmünze wechseln. Soweit so gut. Ich marschierte damit in die Dusche. Nachdem ich bereits hüllenlos dastand, stellte ich fest, dass ich die Münze nirgendwo einwerfen konnte. Also wieder anziehen und raus. Nach langer Suche entdeckte ich im Vorraum ein Kästchen, in welches man die Duschmünze einwerfen und dann die Nummer seiner Dusche wählen musste. Aber welche Dusch-Nummer war nun meine?

Das Allerfieseste ist jedoch, wenn man fürs warme Wasser bezahlt hat und dann doch nur Eiswasser aus den Rohren rauscht. Und natürlich sind die Haare bereits eingeseift! Das sind dann so Augenblicke, in denen einem das eigene Badezimmer wie ein Luxus-Boudoir erscheint.

Doch das sind glücklicherweise seltene Ausnahmen. Auf den Bauernhof-Campings konnten wir duschen, so lange wir wollten. Gratis! Auch die oft gehörte Aussage, holländische Campingplätze seien nicht sauber, können wir, bis auf eine einzige Ausnahme, absolut nicht bestätigen. Holländische Campingplätze sind top! Die verstehen was davon - schliesslich haben sie ja auch den ersten Caravan gebaut!

Wie ist das nun mit Vorurteilen? Die Deutschen sagen, die Holländer hätten keine sauberen Plätze. Die Holländer sagen, die Belgier hätten keine sauberen Plätze. Und wir sagen: FAKE NEWS! Alles gut!

PS: Ach, fast hätte ich es vergessen! An alle Fans unserer Irrlichter: Ich soll schöne Grüsse ausrichten! Vorgestern war in unserem "Badezimmer" Vernissage ihrer neuen Lichtkunst-Installation "lumière-art-brut". Das Datum der Finissage steht noch nicht fest.

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