Fasane inbegriffen


Friesenhaus auf Texel

Nach dem warmen Bergumermeer möchten wir nochmals Nordsee-Insel-Feeling erleben. Am liebsten auf den kleinen Inseln Terschelling oder Ameland. Doch da hätte man uns für die Hin- und Rückfahrt mit Wohnwagen satte 700 Euro abgeknöpft! Einfacher und günstiger ist Texel (Tessel ausgesprochen) zu erreichen. Die Überfahrt mit der grossen Fähre dauert ab Den Helden nur 20 Minuten und ist auch bezahlbar. Zuerst müssen wir aber noch den grossen Abschlussdeich überqueren. Was das für eine Wasser-Ingenieursleistung ist, kann man sich kaum vorstellen! Der 30 km lange Deich wurde 1932 fertiggestellt und verbindet Friesland mit Noord-Holland. Eine 4-spurige Autobahn und ein Radweg führen über den Damm. Das Unglaubliche an diesem Werk ist jedoch, dass es einen riesigen Meer-Arm abtrennte: aus der Zuidersee wurde das IJsselmeer, jetzt ein riesiger Süsswasser-See. Teile davon wurden noch entwässert und so neues Land gewonnen. Flevoland ist somit die jüngste Holland-Provinz.

Texel ist die grösste und westlichste der holländischen Friesen-Inseln aber mit 25 x 8 km immer noch sehr klein und überschaubar. Jetzt im Juni sind die langen, weissen Strände noch einsam, die hübschen Strand-Kneipen mit Sonnenuntergangs-Sicht nicht überfüllt.

Geschmackvolle Strand-Beizen, wo man die typisch holländischen Apéro-Häppchen "Bitterballen" bekommt. Das sind Kroketten mit Fleisch-oder Vegi-Füllungen.

Es gibt auf Texel, ausser herrlichen Stränden, auch Landwirtschaft, Blumenfelder, Dünenlandschaften, Leuchttürme und Windmühlen sowie putzige, wenn auch etwas touristische Dörfchen. Texel ist Ferienland. Für Holländer genau so wie für viele Touristen aus Deutschland. Schweizer hingegen haben wir auf der ganzen Reise noch keine angetroffen.

Leuchtturm an der Nordspitze der Insel

Im Hafen von Oudeschild auf Texel

Heute wollen wir in den Dünen übernachten, denn ich hatte in unserem Campingführer folgende Beschreibung gelesen: „Naturbelassenes Dünengelände, zahlreiche, durch Heckenrosen und Sträucher windgeschützte Nischenplätze, dazwischen viel Freiraum.“ Vor lauter Begeisterung, hatte ich das Wort „zahlreich“ glatt überlesen. 832 Touristenplätze plus 132 Dauercamper, alle in "windgeschützte Nischenplätze" gepfercht! Wenn wir zum Strand oder ins Dorf wollten, dauerte es alleine 10 Geh-Minuten, um den Ausgang des Campingplatzes zu erreichen. Auch das Ein- und Ausparken gestaltete sich etwas speziell: Ein Traktor schiebt den Wohnwagen auf den Platz, weil man sonst im Sand hoffnungslos stecken bliebe.

Einparken im Dünencamp geht nur mit Schlepphilfe

Beim Einchecken erhielten wir eine Koffer-Etikette. Die mussten wir an unserem Wohnwagen montieren. Wozu, war mir schleierhaft. Den würde man hier sowieso nie mehr selber rausbringen. Vielleicht wenn er im Dünensand verloren ginge? Und obwohl im Übernachtungspreis auch ein Fasan inbegriffen war, fand ich es doch etwas beklemmend, zwischen zwei Dünen mit 1000 anderen Campern eingepfercht zu sein.

Fasane sind im Übernachtungspreis inbegriffen

Denn das Tückische an den holländischen Dünen ist, dass sie ja in erster Linie das Land vor Hochwasser schützen müssen, dadurch aber auch die Sicht aufs Meer verstellen. So alle paar Kilometer gibt es aber Einschnitte in den Dünen, die zum Strand führen. Und da wird man dann mit Stränden der Spitzenklasse belohnt!

Einsame Strände auf Texel im Juni

Da es am Abend eher kühl war, radelten wir ins Dörfchen De Koog, um dort endlich mal eines dieser hochgelobten Salz-Lämmer zu verspeisen. Die fressen hier ja salzhaltiges Meergras, was ihnen offenbar nicht schadet, sondern ihr Fleisch sehr schmackhaft macht. Als wir uns zum Apéro auf die Terrasse setzten, kam kein Kellner, sondern eine Möve. Sie schritt alle Tische ab, den Kopf leicht schräg gelegt und sah aus wie ein versnobter Chef-de-Service, der kontrolliert, ob alles seine Ordnung hat.

Möve Jean-Pierre patrouilliert

Auf Nachfrage beim echten Kellner, bestätigte dieser, dass die Möve zum Haus gehöre und Jean-Pierre heisse. Sein Vater hiess noch Piit (ein sehr häufiger Name in Holland) und frass alles, was man ihm gab. Der Mövensohn hingegen fresse nur Fisch. Kein Gemüse, keine Kartoffeln. Und weil er so ein Snob ist, bekam er einen französischen Namen, eben Jean-Pierre. Also, ich finde, die Möve hat Stil.

Robbe im Ecomare

Ganz andere Tiere sieht man im Ecomare. Das ist ein wirklich toll gemachtes Meeres-Museum mit grossem Dünenpark und die älteste Pflegestation Hollands für verwundete Robben, kleine Delphine und ölverschmutzte Vögel. Hier kommen sie in die Vogelwaschmaschine (heisst wirklich so!), werden aufgepäppelt, gesund gepflegt und wenn möglich wieder ausgewildert. Zwei Robben waren so klein, dass sie noch mit Milch gesäugt werden mussten. Auch ins Wasserbecken durften sie nur selten - sie hätten sich sonst erkältet. Wusste echt nicht, das Robben frieren können. Ich hätte sie am liebsten eingepackt.

Ansonsten verbrachten wir die Zeit auf der Insel mit Velotouren durch Dünenwälder, Strandwanderungen, einer Inselrundfahrt und erlebten den ersten Sonnenuntergang im Meer. Wenn auch nur kurz. Zwischen zwei Wolkenbändern sagte die Sonne kurz tschüss und weg war sie. War trotzdem schön!

Heisse Schoggi zum kurzen Sonnenuntergang

REISE-INFOS

Route:

Bergumermeer - Insel Texel

Übernachten:

Dünencamping in De Koog: Texelcamping Koogerstrand

Sehr grosser Platz auf dem man doch relativ eng zusammen hockt. Besser wäre der südlich von De Koog gelegene kleine Campingplatz rechts der Hauptstrasse.

Sehr gutes Restaurant in de Koog: Wambinge

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