Zum heiligen Bimbam in Bordeaux

Zum heiligen Bimbam in Bordeaux

Château Lascombes in Margaux

Genug gefaulenzt, heute gibts Sightseeing. Das berühmteste Weingebiet Frankreichs will erkundet werden und die Stadt Bordeaux soll auch sehenswert sein. Alle Weingüter werden hier Châteaux genannt, egal ob sie nun echte Schlösser oder moderne Gebäude sind. Châteaux ist aber schon sehr zutreffend. Was man hier an Schlössern und Schlösschen auf einer Strecke von 50 Kilometern zu sehen bekommt, ist unglaublich.

Château Montrose in Saint Estèphe

Das Gebiet „Haut Médoc“ umfasst so berühmte Weindörfer wie St. Estèphe, Pauillac, St. Julien oder Margaux. Für die Besichtigung eines der berühmten Schlösser wie Lafite Rothschild, Beychevelle oder Margaux muss man sich Monate im voraus anmelden und es kostet gerne mal 100 Franken pro Person. Ohne Weindegustation! Mit Degustation kommt man locker auf mehrere hundert Franken pro Person. Da kaufen wir uns lieber bei einem Weinhändler eine gute Flasche Bordeaux und trinken sie am Strand.

Seit die Chinesen angefangen haben, die besten Weine Europas zu kaufen, sind die Preise exorbitant in die Höhe geschnellt. Für einen guten Jahrgang eines Premier Cru zahlt man locker über 1000 Franken! Das ist irgendwie ungesund, bzw. Abriss. Natürlich sind es gute Weine aber 1000 Franken für 7 dl Rebensaft? Nüme normal!

Château Margaux

Da uns der Eingang auf die edlen Châteaux sowieso verwehrt bleibt, machen wir auf Schloss-Paparazzi. Das geht so: Wir schleichen uns an den Anmelde-Sekretariaten, die aussehen wie Anwalts-Empfangsbüros an der Bahnhofstrasse, vorbei und verschwinden in den Schlossgärten. So können wir die Châteaux wenigstens von aussen fotografieren. Die Gärtner sind meist nett - wir fragen sie einfach nach dem Weg zum Sekretariat und „verlaufen“ uns dann halt nochmal.

Es gibt aber auch Schlösser, die man bequem von der Strasse aus fotografieren kann. Das Château Pichon-Longueville sieht dann auf Beats Foto so aus:

Château Pichon-Longueville

Ich habe ein Bild „hinter den Kulissen“ geschossen und das sieht dann so aus:

Man beachte den Briten im roten Shirt mit den coolen Socken :-)

Bordeaux ist eine sehr schöne Stadt. In der Altstadt allein stehen 5000 Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, die in den letzten Jahren renoviert wurden. So leuchten die Stein-Fassaden wieder in hellem Ocker. Rund 250’000 Einwohner leben in Bordeaux - die Stadt ist also noch überschaubar. Trotzdem kann man sich an einem Nachmittag natürlich nicht alle Sehenwürdikeiten anschauen.

Wir machen es in Städten jeweils so: jeder darf zwei Dinge aussuchen, die er unbedingt sehen will und dann einigen wir uns auf drei. Manchmal reicht die Zeit - und die Kraft oder Geduld - auch noch für das 4. Objekt oder man kommt unterwegs grad zufällig daran vorbei. Ebenfalls ein Muss ist ein „Boxen-Stop“, für mich am liebsten in einem schönen Café.

Etwas ist allerdings immer gleich: Zuerst müssen wir in einer Stadt entweder in einen Telecom-Shop (um Internet zu kaufen) oder in einen Apple-Store (um irgendein vergessenes Kabel zu kaufen, diesmal eins von meinen ...). Internet haben wir schon, also gehts direkt zum Apple-Store. Und da kann ich getrost behaupten: Beste Aussicht ever aus einem Apple-Shop!

Durch hohe Bogenfenster sieht man direkt auf den schönen Platz vor dem Stadt-Theater. Womit Sehenswürdigkeit 1 bereits abgehackt wäre.

Grand Théâtre

Jetzt stehen noch die Place de la Bourse mit dem berühmten Wasserspiegel von Architekt Michel Courajoud und die Cathédral Saint André auf unserer Liste. Der Place de la Bourse ist wirklich ein Juwel. Im Halbrund stehen die Gebäude des Börsen-Palastes und des ehemaligen Hôtel des Fermes (heute Zoll-Museum). Davor der Brunnen der drei Grazien und nochmals davor der berühmte Wasserspiegel Le Miroir. Das Spezielle daran ist, dass das Wasser auf dem riesigen Platz kommt und geht. Zwischen den „Gezeiten“ erzeugen Düsen Nebel und es sieht aus wie im November. Sehr effektvoll!

Um das ganze Arrangement schön zu fotografieren, muss man allerdings ein bisschen Geduld haben: Zwischen den drei Grazien und uns gibt es nämlich diverse Stör-Objekte wie Trams, dauerparkierende Linien-Busse oder Touristen mitten im Miroir. Beat ist natürlich ein tolles Foto - mit nur einem Tourist! - gelungen!

Die St. André-Kathedrale verfehlen wir irgendwie und landen stattdessen in Tunesien, Marokko und Algerien. Wir schauen beim Halal-Metzger rein und ich bewundere die schönen Stoffe, aus denen die muslimischen Frauen ihre Kopftücher und Kleider nähen. Es ist ein bunter Mix hier, der uns als Kontrast zum rausgepützelten Zentrum sehr gut gefällt. Und statt heiligem André gibts halt heiliger Michael. Der ist auch nicht übel. Petit Notre Dame, sozusagen. Mir gefallen die schönen Steinfliessen sehr. Durch die bunten Glasfenster fällt allerdings wenig Licht und die Kathedralen wirken in Frankreich immer sehr düster. Der Turm der Saint Michel-Kathedrale steht übrigens nicht auf, sondern neben der Kirche. Das hatten wir erst einmal in Norwegen gesehen.

Flèche Saint Michel: Der Turm steht neben der Kirche

Den heiligen André finden wir auf dem Rückweg dann auch noch: same, same wie der heilige Michael, einfach grösser.

Zum Abschluss gibts noch zwei Cannelés von Baillardran. Die Zimt-Küchlein sind eine Spezialität von Bordeaux und werden traditionell in wunderschönen kleinen Kupferförmchen gebacken. Beat findet die Konsistenz der Küchlein „ein bisschen eigenartig“ . Er hat nicht unrecht. Aussen golden karamelisiert aber zäh im Biss, innen Gummi. Wie heisst es doch so schön: Aussen fix, innen nix.

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