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Schlei fast ohne Brücken und Fähren / 23.6.23



Habe ich schon erwähnt, wie gerne wir Fähre fahren? Zehn Minuten vom Camping entfernt gehts per Fähre zurück aufs Festland im dänischen Jütland und von da sind wir in einer guten Stunde an der Schlei in Schleswig-Holstein. Also wieder in Deutschland. Die Schlei ist kein Fluss, sondern eine Förde. Das ist ein Meeresarm, der tief ins Landesinnere reicht und sowohl Salz- als auch Süsswasser führt. Unser neuer Platz in Brodersby-Goltoft liegt direkt an der Schlei, zwischen der Stadt Schleswig und der Schlei-Mündung bei Kappeln.


Die Fähre von Bøjden nach Fynshav klappt für Autos einfach die Schnauze auf.


Frau Campingplatz ist ein kleiner Feldweibel und drückt uns die Platzregeln in die Hand. "Lesen sie alles, auch die Rückseite!" befielt sie mit Nachdruck. Wir nicken ergeben. Dann fährt sie mit dem Velo voraus zum Platz, schreitet für uns die Grundstücksgrenzen ab, damit unsere Stühle keinesfalls mit einem Bein auf Nachbars Garten zu stehen kommen. So geht das mit jedem neuankommenden Gast. Man kann sich leicht vorstellen, wie lange das Prozedere dauert. Aber wir haben ja Zeit...


Badeplatz an unserem Campingplatz


Da Wochenende ist, kriegen wir nur noch ein Plätzchen direkt nach der Schranke aber dieses erweist sich als hervorragender Theater-Platz. Wir können aus der Pole-Position beobachten, was hier so kommt und geht, welcher Hund zu wem gehört. Vor einem VW-Bus sitzt ein Tier mit einem buschigen Schwanz und tatsächlich entpuppt es sich nach näherer Inspektion als Katze! Das Katzenklo steht vor dem Bus und es gesellt sich auch noch eine zweite norwegische Waldkatze dazu. Als die Katzen-Besitzerin zum Waschhaus geht, folgt ihr eine Katze brav. Wir fragen sie, ob die Tiere denn nicht weglaufen würden. Sie meinte, dass sie schon seit 30 Jahren mit ihren Katzen campieren würden und noch nie sei eine abhanden gekommen. Also unser Sämi hat zwar auch schon mal den Wohnwagen inspiziert aber bei jeder Fahrt zum Tierarzt macht er uns recht deutlich klar, was er vom Autofahren hält: null, nichts, nada!


Pole-Position auf Camping in Brodersby-Goltoft


Aber auch die unterschiedlichen Bekleidungsstile sind immer wieder sehenswert. Die Ganzkörper-Frotteemäntel irritieren mich noch immer. Aber auch, was an den Füssen hängt, ist durchaus interessant. Birkenstock und Crocks haben Adiletten meilenweit abgehängt. Schlappen sind salonfähig geworden, damit kann man jetzt auch ins Museum und ins Restaurant. Habt ihr übrigens gewusst, dass es in Deutschland einen Schlappentag gibt? Der findet im Dorf "Hof Sale" traditionsgemäß alljährlich eine Woche nach Pfingsten statt. Speziell für diesen Anlass wird ein eigenes Starkbier, das Schlappenbier, gebraut. Der Schlappentag zählt zum immateriellen Kulturerbe Bayerns und ich bin sicher, dass es auch Pflicht ist, irgendwelche Schlappen zu tragen.




Also rein in die Schlappen und ab aufs Rad der Schlei entlang Richtung Ostsee-Mündung bei Kappeln. Eigentlich wollten wir nach ca. 15 Kilometern über eine Brücke zur anderen Schlei-Seite und dann wieder zurück. Doch Brücken und Fähren sind zur Zeit ausser Betrieb. Uns ist schleierhaft, wie wir jetzt über die Schlei kommen sollen. Also entweder gleicher Weg zurück oder weiter bis Kappeln. Dort gäbe es zur Belohnung - ja was wohl - ein Fischbrötchen. Das ist doch Motivation genug für eine etwas längere Velotour. Aber auch die Fischbrötchen-Bude lässt just bei unserer Ankunft den Rollladen runter und das mitten am Tag. Unerhört! Dafür hängen in der Toilette ziemlich merkwürdige Anweisungen.


Kappeln an der Schlei: keine Fischbrötchen,

dafür solche Schilder in der öffentlichen Toilette



Ich habe also keine Fische ausgenommen, sondern bin hungrig auf der anderen Schlei-Seite weitergeradelt. Im idyllischen Örtchen Sieseby haben wir dann gottseidank Kaffee und Kuchen bekommen. Das alte Dörfchen besteht aus vielen Riegelhäusern mit Reetdächern und blumengeschmückten Gärten. Wirklich schön!


Kaffee und Kuchen in Sieseby


Häuser in Sieseby


Entlang der Schlei finden wir auch immer wieder menschenleere Badeplätzchen, die wir freudig nutzen. Erst nachher lese ich, dass die Schlei grösstenteils aus Brackwasser besteht, dessen Qualität nicht über alle Zweifel erhaben ist. Egal, wir haben es tiptop überlebt! Wer nicht baden will, kann auch einfach den vorbeiziehenden Segelschiffen zuschauen. Sehr entspannend!


Badeplätzchen an der Schlei


Immerhin fährt die kleine Seil-Fähre bei Missunde, die uns nach 65 Velo-Kilometern zum Campingplatz zurückführt.

Kleine Schlei-Fähre für Fussgänger, Velofahren, Töfffahrer und 5 PKWs


Und den Fisch kriegen wir im Restaurant Fährhaus auch noch. Ich hoffe, er wurde nicht in der öffentlichen Toilette ausgenommen!




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