Märchen-Schlösser und Mädchen-Power


Da unserem Audi das Atlantik-Klima nicht so gut bekommen ist wie uns, fahren wir heute direkt nach Carcassonne. Drei Stunden Autofahrt und wir sind in einer ganz anderen Klimazone. Statt Kiefern gibt’s hier Zypressen, statt Riesen-Farnen reich blühenden Oleander. Aber der Rosé ist immer noch kühl und rosarot ...

Carcassonne ist berühmt für seine sehr gut erhaltene mittelalterliche Altstadt, cité genannt. Sie gehört zum Unesco-Weltkultur-Erbe, Altstadt und Kastell werden durch zwei Stadtmauern geschützt. Sicher ist sicher, dachte man sich wohl bereits im Mittelalter, als es noch keine kugelsicheren Fenster und Sicherheitsschlösser gab. Geholfen hat es allerdings so wenig wie heute...

Für die Besichtigung des Kastells sind wir zu spät, die Fenster der Basilique Saint-Nazaire kann ich aber noch betrachten. Sie sollen die Schönsten Südfrankreichs sein.

Und wie immer möchte ich für meine Lieben im Jenseits eine Kerze anzünden. Ich bin nicht gläubig aber dieser Brauch gefällt mir einfach und tut mir gut. Blöderweise habe ich keinen Euro für die Kerze dabei und der Mann ist grad am Fotografieren irgendwo da draussen.

Soll ich jetzt wirklich eine Kerze klauen? Tut man sowas? Dann erinnere ich mich, dass ich schon sehr oft mehr Geld in Kerzen-Kässeli geworfen habe, als die Kerzen kosteten. Und zünde beherzt eine an. An einem anderen „Kerzen-Stand“ (es gibt diverse in dieser Kirche), sehe ich plötzlich eine Video-Kamera mit folgendem Hinweis: "zur Sicherheit der Besucher wird diese Kirche videoüberwacht". Zur Sicherheit der Besucher? Nicht doch eher zur Sicherung der kirchlichen Einnahmen? Gütiger Gott, verzeihst Du mir? Du schon, gell, aber die bösen Kirchenväter? Ich mach mich jetzt mal vom Acker...

Beim Durchwandern der schmalen Gässchen in der hübschen, wenn auch sehr touristischen Altstadt habe ich das eigentümliche Gefühl, schon mal hier gewesen zu sein. Sind das jetzt schon die Geister von Saint Nazaire, die mich verfolgen?

Später kommen wir im sehr guten Tapas-Restaurant L’Escargot ins Gespräch mit unseren englischen Tisch-Nachbarn und die Dame erzählt mir, dass sie nur wegen des Buches „Das verlorene Labyrinth“ von Kate Mosse hier sei. Und da weiss ich wieder, woher mein déjà-vu-Gefühl rührte.

Ich habe den spannenden archäologischen Roman, der sowohl im Mittelalter als auch in der Gegenwart spielt, schon vor einiger Zeit gelesen. Kate Mosse beschreibt darin die Cité von Carcassonne so anschaulich, dass ich tatsächlich glaubte, schon mal hier gewesen zu sein. Das Buch wurde übrigens auch verfilmt – bestimmt in Carcassonne, wo die englische Schriftstellerin und Drehbuchautorin zeitweise lebt. Und auch Walt Disney liess sich für seine Märchen-Schlösser von der Cité du Carcassonne inspirieren.

Auch am nächsten Morgen erfreue ich mich an dieser wirklich schönen Silhouette. So eine Aussicht hat man ja beim Morgen-Jogging nicht jeden Tag.

Gerade als ich in den wunderschönen Flusspfad einbiege, höre ich es hinter mir schnaufen. Und dann bin ich schon mittendrin: Die Armee absolviert gerade ihr Morgen-Fitness-Training. In Kampfanzug, Stiefeln und mit Rucksack beladen, joggen sie in erschreckendem Tempo an mir vorbei. Die boys lächeln sufissant, die girls jedoch (ja, die hat es auch!) rufen mir hingegen ein fröhliches „bonjour!“ zu. Ich fühle mich geehrt – aber auch leicht deplatziert. Sei’s drum! Bonjour, Carcassonne!

Und einmal Profiterole "mit alles" muss einfach sein!

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